die grüne Bibliothek als lebendiger Lernort

An dem  Studentischer Ideenwettbewerb „Lebendige Lernorte“ der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) haben wir uns mit beteiligt mit einer Idee für eine grüne Bibliothek. Gemeinsam mit StudentInnen der FH-Potsdam und der HU zu Berlin formulierten wir unsere Vivsion für eine ökologisch nachhaltige und lebendige Bibliothek in der open access, green-it und ganz viel Spass selbstverständlich ist. Angefügt ist eine MinMap auf der alle Aspekte einer übersichtlich zusammengefasst sind.

„Lebendiger Lernort – Grüne Bibliothek“

1. Einführung

Als idealen Lernort stellen wir uns eine Bibliothek vor, die verschiedene Eigenschaften und Services im Angebot haben sollte und die wir im Folgenden näher beschreiben werden. Im Vordergrund unseres Konzeptes für eine „Grüne Bibliothek“ steht immer der Zukunftsgedanke in zwei Variationen: Nachhaltige Bau- und Einrichtungsgestaltung und soziales Networking zwischen den Lernenden. Wir wollen einen Lernort, an dem kollaborativ, informell und zukunftsorientiert gearbeitet werden kann, wobei ökologisches und ethisches Denken und Handeln grundsätzlich im Vordergrund stehen soll. In Zeiten des Klimawandels ist umweltbewusstes Bauen und das Vermitteln eines verstärkten Umweltbewusstseins notwendig. In einer natürlichen Umgebung, in der Wert auf einen respektvollen Umgang mit der Umwelt gelegt wird, steigt nicht nur das ökologische Bewusstsein, sondern es werden auch Sozialkompetenz wird erlernt und ethische Grundgedanken entwickelt. Außerdem werden durch natürliche Belüftung und Beleuchtung, durch das Angebot gesunder Ernährung und vielfältige Entspannungsmöglichkeiten die Konzentration erhöht und die Lernerfolge verbessert. Baustoffe und Möbel aus natürlichen und umweltfreundlichen Materialen enthalten keine schädlichen Gifte, verbessern die Atmosphäre und vermeiden, dass die Lernenden ungesunden Stoffen ausgesetzt sind. Die große Auswahl unterschiedlichster Räumlichkeiten ermöglicht ein kollaboratives und informelles Lernen. Selbständige Team- und Gruppenarbeit ist in der „Grünen Bibliothek“ dem Frontalunterricht vorzuziehen. Die Softskills werden verbessert und Lernerfolge gesteigert. Es wird geübt, sich selbst Gedanken zu verschiedenen Themen zu machen, informations- und literaturkritisch zu arbeiten und nicht nur theoretisch, sondern vor allem auch praktisch zu Lernen. Für diese Art des Lernens wird ein Ort benötigt.

2. Bibliotheken als traditioneller Lernort

Bibliotheken sind als Lernort, Wissensspeicher und für einen zuverlässigen Zugang zu Informationen bekannt. Das Vertrauen in die bereitgestellten Informationen und in das Personal (BibliothekarInnen) ist dadurch sehr groß. Außerdem ist die Bibliothek meist ein zentraler Standort auf dem Campus. Die Bibliothek ist als Ort/Raum von zentraler Bedeutung. Sie stellt einen Ort zum „Studieren, E-mails checken, Freunde treffen, Lesen, Hausarbeiten schreiben, Zeit vertreiben zwischen Kursen“ (vgl. Christine Gläser: Die Bibliothek als Lernort – neue Servicekonzepte), etc. dar. In der aktuellen Entwicklung der Medien- und Informationslandschaft ist ein attraktives Angebot nötig, damit nicht eine totale Abwanderung zur digitalen Bibliothek stattfindet. Um all diese Aktivitäten und Angebote zu ermöglichen, ist jedoch ein zentraler, realer Ort notwendig.

3. Umsetzung

3.1. Raum

Die „Grüne Bibliothek“ muss mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein und mindestens eine Haltestelle in unmittelbarer Nähe haben. Es ist notwendig, dass ein ausgebauter Fahrradweg bis zur Bibliothek führt und vor Ort für genügend Fahrradständer und für eine ausreichende Überdachung gesorgt wird. Das Bibliotheksgebäude selbst sollte ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen und Recyclingprodukten gebaut sein. Solarzellen auf dem Dach und an den Fassaden sind selbstverständlich. Je nach Standort der Bibliothek sind auch andere nachhaltige Energiequellen für das Gebäude denkbar (Wasserkraft, Windenergie, …). Die Nutzung natürlichen Lichts und natürlicher Belüftung für ein angenehmes Raumklima ist in das Konzept zu integrieren. Die Fenster sind mit automatischer Beschattung versehen. Als Arbeitsräume sollen ausreichend Einzel- und Gruppenarbeitsräume mit und ohne Computerarbeitsplätzen und Steckdosen zur Verfügung stehen. Lange Reservierungszeiten für Einzelkabinen sollen der Vergangenheit angehören. Neben diesen individuellen Plätzen gibt es einen großen Lesesaal. Um aber eine perfekte Lernatmosphäre und eine Lernumgebung der Spitzenklasse mit erstklassigen Lernerfolgen zu gewährleisten, bedarf es einer Vielzahl weiterer barrierefreier Räumlichkeiten. Wichtig ist ein Kindergarten und ein Hort mit ständiger Betreuung der Kinder, damit Müttern und Vätern keine Nachteile entstehen. Die Kinder werden dort nicht nur betreut, sondern spielerisch an verschiedene Themen (Lesen, Kochen, Gärtnern, Musizieren, etc.) herangeführt. Für die frühe Förderung von Medien- und Inormationskompetenzen stehen ausgebildete BibliothekarInnen zur Verfügung. Verschiedene Angebote von Pausen- und Entspannungsmöglichkeiten ermöglichen ein ganzheitliches Lernklima, hierfür werden eine Vielzahl weiterer Räume und Einrichtungen benötigt, z.B. Entspannungs- und Ruheräume sowie Schlafkabinen. Damit ein optimaler Ausgleich zwischen Sitzen und Bewegung gewährleistet werden kann, gibt es ein Sportcenter, einen Wii-Raum und einen voll eingerichteten Yogaund Meditationsraum in dem regelmäßige kostenlose Kurse angeboten werden. An der Außenwand gibt es eine Kletterwand und es ist es möglich vom Dach segelzufliegen. Der von NutzerInnen der Bibliothek betriebene Mitmachgarten sorgt ebenfalls für eine Abwechslung im Lernalltag. Er bietet sowohl den Studierenden als auch deren Kindern, die Möglichkeit verschiedene Beete selbst zu bepflanzen. Hier wird mit und in der Natur gelernt. Perfekte Aussaat, Pflege und Ernte des Gemüses, des Obstes und der Blumen, alles vollkommen ökologisch, ohne Düngemittel und nur mit natürlicher Schädlingsbekämpfung. Das Geerntete kann in der zur Verfügung stehenden Küche zubereitet werden. Eine gute Gelegenheit, saisongerechtes Kochen mit regionalen Früchten und Gemüsen zu lernen. Abgesehen von der Möglichkeit die zahlreichen Kochbücher und – datenbanken zu nutzen, werden regelmäßige Ökokochkurse zu saisonalem, regionalem, vegetarischem und veganem Kochen angeboten. Im Kindergarten und Hort steht selber kochen auf der Tagesordnung. Wer nicht selbst erntet, kann sich im bibliothekseigenen Bioladen 24/7 mit Biolebensmitteln eindecken. Ein Bistro bietet für alle deren Zeit knapp ist vegetarische und vegane Biospeisen an.. Für kreative Pausen stehen eine voll ausgestattete Kunst- und Kreativwerkstatt und ein schalldichter, mit Instrumenten ausgestatteter Musikraum zur Verfügung. Im Musikraum ist es sowohl möglich an Kursen, als auch an Jam sessions teilzunehmen. Die hauseigene Fahrradwerkstatt ermöglicht allen ihre Räder selbst zu reparieren oder sich diese Fähigkeit anzueignen. Räume, die von allen für Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Workshops oder Seminare genutzt werden können, runden die Lernatmosphäre ab. Alle Räume sind selbstverständlich mit zahllosen Medien zum Nachschlagen, Informieren und autodidaktischen Erlernen der verschiedenen Themen bestückt. Umweltbewusstes Handeln und Einrichtungen, wie Mülltrennung, die Nutzung umweltfreundlicher Putzmittel, wassersparende sanitäre Einrichtungen oder die Nutzung von Regenwasser für Toilettenspülung und Pflanzenbewässerung, etc. sind selbstverständlich.

3.2. Services

Zu den bibliotheksbezogenen Services gehört unter anderem eine kompetente Fachberatung. Durch das „roaming Konzept“ müssen die NutzerInnen nicht selbst zu einem Infodesk gehen, sondern können eine der regelmäßig auf Rollern oder inline skatern vorbeiziehenden BibliothekarInnen ansprechen und so eine Beratung und Betreuung direkt am Arbeitsplatz erhalten ohne die Arbeit unterbrechen zu müssen. Sämtliche Literatur, die nicht vor Ort vorhanden ist, kann über digitale Fernleihe bestellt werden. Für die Vermittlung von Informationskompetenz werden sowohl Online- als auch Präsenzkurse angeboten. Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte oder Feste werden regelmäßig von der Bibliothek veranstaltet. Vor allem bei den Festen werden Feiertage verschiedener Kulturen und Länder aufgegriffen.

3.3. Open Access

Als einen der zentralen Punkte in unserem Lernraum sehen wir den Open-Access- Gedanken. Nur mit der Anwendung dieser Art der Informationsvermittlung ist zukünftig eine nachhaltige und kreative Wissensgenerierung möglich. Daher achten wir bei der Auswahl unserer Quellen besonders auf diesen Aspekt. Für unsere NutzerInnen bieten wir ein umfangreiches Serviceprogramm zu diesem Thema an und ermutigen sie die Ergebnisse ihrer Lernarbeit unter einer freien Lizenz der 5 ganzen Welt zur Verfügung zu stellen. Der Betrieb eines Open-Access- Repositoriums und ein Print-on-Demand Angebot sowie eines eigenen Wikis sind nur drei Beispiele für unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet.

3.4. Green IT

Ein wichtiger Aspekt unserer grünen Bibliothek ist die Ausrüstung mit moderner Telekommunikationstechnik und Software. Diese verbindet den physischen Lernraum der Bibliothek mit dem virtuellen Lernraum in formellen Lernumgebungen der Universitäten und erlaubt das vernetzte Lernen über die physischen Grenzen des Raumes hinweg. Unter dem Schlagwort Green-IT verstehen wir Geräte, welche möglichst aus Recyclingprodukten und nachwachsenden Rohstoffen bestehen, wobei die Schadstofffreiheit ein zentraler Punkt ist. Für den Betrieb ist auf hohe Energieeffizienz und geringen Verbrauch an elektrischer Energie zu achten. Umgesetzt werden diese Anforderungen beispielsweise durch den Einsatz von Thin- Clients für die Arbeitsplätze und virtuellen Serverdiensten im Rechenzentrum. Mit diesen beiden Maßnahmen kann der Energieverbrauch gegenüber herkömmlicher IT-Ausrüstung um bis zu 60% reduziert werden. Auch die Langlebigkeit von Thin- Clients ist im Vergleich zu normalen PC-Systemen wesentlich höher und trägt zur nachhaltigen Nutzung bei. Das Energiekonzept geht nach allen Regeln für grüne Technologien und der Energieeffizienz vor. Ausgehend von der regulären Stromversorgung durch Ökostrom oder Solarenergie und dem Einsatz von Energiesparlampen soll die gesamte IT-Struktur so weit wie möglich ressourcensparend und energieeffizient gestaltet sein, denn „grüne IT“ und somit auch die „Grüne Bibliothek“ besteht nicht nur aus Stromsparen. Vor allem der durch die rasante Entwicklung der ITTechnologie ständig anfallende „Elektroschrott“ ist ein großes ökologisches Thema, dem vor allem durch gut aufrüst- und umbaubare Geräte entgegengewirkt werden soll. Zudem sind IT-Hersteller gerade intensiv mit der Entwicklung von energiesparenden Rechnern, Servern und Bildschirmen beschäftigt (wie zum Beispiel mit dem 0-Watt-PC, der im Standby keinen Strom verbrauchen soll), die in unserer Bibliothek ausschließlich ihren Einsatz finden werden. 6 Zur Zeit werden außerdem einige Konzepte entwickelt, um zum Beispiel einen Serverraum effizienter zu kühlen. Da es für unsere Zwecke eher unrealistisch ist, eine Serverfarm auf dem Meer oder in der Arktis aufzubauen, kann mit einem guten Kühlsystem viel Energie eingespart werden. Neben der optimalen Kühlung steht die optimale Auslastung der einzelnen Server.

3.5. EMAS

Als grüne Bibliothek sind wir natürlich auch nach dem Eco Management and Audit Scheme, bekannt auch unter der Bezeichnung EU-Öko-Audit, zertifiziert. Damit ist es uns möglich, unsere direkten und indirekten Umweltauswirkungen zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um diese zu verringern. Zentraler Bestandteil dabei ist unsere Umwelterklärung mit den formulierten Umweltzielen. Die jährliche Überprüfung dieser Umweltziele und die dreijährige Revalidierung durch Umweltgutachten gewährleisten eine kontinuierliche Weiterentwicklung zum Wohle der Umwelt und unserer NutzerInnen.

3.6. Finanzen

Die komplette Abwicklung der Finanzen läuft über eine ethische-ökologische Bank wie z.B. die UmweltBank ( http://www.umweltbank.de ) oder die GLS Bank ( http://www.gls.de ).

4. Abschlussgedanke

Die Grüne Bibliothek als „Dorf“ oder große Gemeinschaft wie oben beschrieben ist der perfekte Lernort. Die NutzerInnen haben die Möglichkeit, zu lernen, sich zu informieren und zu arbeiten. Und das in einer angenehmen, gesunden, gemeinschaftlichen Atmosphäre, die auf verschiedenste Bedürfnisse angepasst ist. So kann jede/r so lernen und arbeiten wie es für sie/ihn am angenehmsten ist und somit optimale Lernerfolge erzielen. Gleichzeitig wird ein ökologisch-ethisches Denken und Handeln sowie verschiedenste Softskills automatisch vermittelt.

AutorInnen:

FH-Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften:
Dierk Eichel, Anastasia Schadt, Anja Wagner
Studiengang Bibliotheksmanagement, 6. Semester
Sabine Kobold
Studiengang Dokumentation, 6. Semester

Humboldt-Universität zu Berlin:
Jessica Euler, Danilo Vetter
Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Creative Commons License
This work by Dierk Eichel, Anastasia Schadt, Anja Wagner, Sabine Kobold, Jessica Euler, Danilo Vetter is licensed under a Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland License

1 Response so far »

  1. 1

    […] zum Studentischen Ideenwettbewerb – “Lebendige Lernräume“ 2009 zu unserem Beitrag „Lebendiger Lernort – Grüne Bibliothek“. „Als weitereStudier- und Lernvoraussetzungen bringen die heutigenStudierenden das […]


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